We are warriors: Ein Surfkurs bei Surfguiding Peniche in Portugal

„We are warriors!“ brüllt mir Lukas entgegen, als ich mich klitschnass und mit dem dicken Surfbrett in beiden Händen den Strand hinauf quäle. Er wirkt dabei ein bisschen wie Mel Gibson in Braveheart. Ich aber fühle mich gerade kaum wie ein Krieger, eher wie ein nasser Waschlappen, den es durch den Schleudergang einer Waschmaschine gehauen hat. Ein Surfkurs bei Surfguiding Peniche in Portugal.

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Lukas, das ist mein Surflehrer hier bei Surfguiding Peniche – einer Surfschule im beschaulichen Stranddörfchen Baleal an der portugiesischen Atlantikküste. Eine ganze Woche will ich hier verbringen und Surfen lernen. So weit der Plan. Dabei melden sich schon am ersten Tag Muskeln zu Wort, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie habe.

Surfguiding Peniche Surfbretter
Surfguiding Peniche: Am Strand bauen wir uns eine kleine Base für den Tag

Jeder Tag beginnt gleich: Zwischen zehn und elf Uhr morgens trifft sich die Surfklasse an der Base, der Zentrale der Surfschule Surfguiding Peniche. Gleichzeitig ist The Base, aber tagsüber ein Café und abends eine gut besuche Bar. Den Gin Tonic mit Wacholder und Thymian-Zweigen muss man sich hier aber erstmal verdienen. Also schmeißen wir uns in die Neoprenanzüge, in denen man die Nässe des Vortags noch spüren kann, bei jedem Zentimeter den man seine Beine in das enge Hosenbein quetscht. Scheiß drauf, nass werden wir ja eh gleich, denk ich mir noch und zack, schon hab ich die zweite Haut übergezogen und stehe da wie eine Presswurst. Schnell stelle ich aber fest, dass mir ein Surfbrett in der Hand ein wenig mehr an Coolness verpasst. Das dieses ein dickes, unhandliches Softbaord ist, mit gut 1,90 Metern noch deutlich größer als ich selbst, lassen wir hier mal außer Acht.

Surfguiding Peniche SurferSurfguiding Peniche Baleal
Die Surfschule Surfguiding Peniche liegt in Baleal, einem kleinen Städtchen neben Peniche

Endlich geht es los und mit den Surfbrettern in der Hand quer über die Dünen Richtung Strand. Gar nicht so einfach, bei diesen schweren Teilen. Weiter geht’s mit einer Aufwärmsession, und auch die hat es in sich. Doch nach zehn Minuten Rennen, Zappeln und Dehnen fühlen wir uns alle fit und bereit für den Altantik.

Wie sich herausstellt, stehen erstmal Trockenübungen an. Schließlich muss man ja gewappnet sein, für den Kampf da draußen. Im Meer ist jeder für sich allein. Also üben wir den Take Off, ein weiterer Anglizismus, den wir in den nächsten Tagen noch häufiger hören sollten. Der Take Off ist das mehr oder wenig ruckartige Aufstehen aus der Liegeposition auf dem Brett in den Stand. Dabei gibt es verschiedene Arten mit ein bis drei Schritten. Meiner ist, wie man mir sagt, ein einstufiger Take Off. Klingt irgendwie professionell, oder?

Surfguiding Peniche Warm up
Warmup bei Surfguiding Peniche

Dann sind wir bereit für die Brecher des Ozeans. Oder eher für das Weißwasser, dem Teil der Brandung also, wo sich die Wellen bereits überschlagen haben und das Wasser nur noch schaumartig Richtung Strand plätschert. Dass dieses Plätschern aber eine ganz ordentliche Wucht haben kann, merken wir auch bald. Und wie sich herausstellt, folgen noch viele Learnings dieser Art am heutigen Tag und an den folgenden. Kleinigkeiten, die jeder für sich selbst herausfinden muss. Erst dann lernt man peu a peu, das Meer zu verstehen, es zu lesen, wie Surfer gerne sagen. Surfer wie Lukas zum Beispiel, der uns vom Strand aus fleißig Anweisungen gibt und wild mit seinen Armen herum fuchtelt. Hab ich da gerade ein verschmitztes Lächeln gesehen, als mich die Welle voll unter sich gerissen hat und ich gerade noch so luftschnappend an die Tagesoberfläche kam? Nein nein, Lukas versteht was von seinem Job. Schnell nehme ich ihm die Rolle des weisen Mentors ab. Auch wenn er dabei aussieht, wie eine Beachboy-Version des jungen Patrick Swayze.

Surfguiding Peniche Surflehrer
Die Strandbase von Surfguiding Peniche

Tag 1 ist geschafft. Und ich stand tatsächlich auf dem Brett. Sogar mehrfach. Zurück in der Base begieße ich meine emotionale Errungenschaft mit einem frischen Galão, einem portugiesischen Milchkaffee. Die Schaumkrone kommt mir heute besonders groß vor.

Surfguiding Peniche

Tag 2 beginnt wie der erste geendet hat: mit Muskelkater. Aber das macht nichts. Nach dem Frühstück geht es wieder in die Base von Surfguiding Peniche, hinein in den Neo, raus mit dem Brett und rein ins Wasser. Heute lernen wir, zu paddeln. Das hat aber nicht etwa mit Paddelbooten auf dem Wannsee zu tun. Vielmehr nutzt man die Paddelkraft seiner Arme nicht nur, um eine Welle anzupaddeln, sondern auch um hinaus aufs Meer zu gelangen. Nämlich mitten hinein ins Line-Up. Ok, schon wieder so ein Anglizismus, aber das tut an dieser Stelle wirklich not. Das Line-Up ist sowas wie die Raucherecke der Surfer. Hier tummeln sich all jede, die es Können, oder zumindest so tun, als ob. Hier sitzt man stundenlang auf seinem Brett, starrt hinaus aufs Meer und versucht, die Wellen zu lesen. Und wenn sie kommen, die Wellen, dann paddelt man sie eben an. Das Prinzip ist schnell erklärt: Mal bekommt man eine, mal nicht. Nüchtern betrachtet ist das alles, das ganze Spiel des Surfens. Was für alle, die das Surfen nie ausprobiert haben, vielleicht anstrengend und ja, fast langweilig, klingen mag, ist in Wahrheit das, was allen am meisten Spaß macht: Planschen und warten. Auf den einen großen Moment.

Was beim Paddeln am meisten weh tut, sind die Schultern. Vermutlich ist kaum jemand es gewohnt, sie dermaßen anzustrengen. Außer vielleicht Fabian Hambüchen. Aber da muss man wohl durch. Heute Abend betäube ich meinen Muskelkater mit einem Gin Tonic, nehm ich mir fest vor, während ich Stunden später mein gefühlt Eintausendkilo schweres Board über die Dünen schleppe. Die Karawane zieht weiter…

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Tag 3 und 4 vergehen wie im Schnelldurchlauf. Jeder Tag besteht aus zwei Surfsessions. Und jede Session aus je rund zwei Stunden Surfen. Dazwischen sitzen wir erschöpft am Fuße der Dünen. Mal sind die Surflehrer mit uns im Wasser, mal stehen sie fordernd und fördernd am Strand und leiten uns an. Und bald klappt es tatsächlich bei allen, mal besser, mal schlechter. Denn wie wir schnell lernen, darf man beim Surfen vor allem eins nicht: Aufgeben. Also hauen wir uns in die Wellen, als gebe es kein Morgen. Wir schlucken literweise Wasser, kriegen Bretter an den Kopf und kämpfen uns durch die morgendliche Nebelsuppe. Während die Augen vom Salzwasser brennen und die Gesichtshaut von der Sonne so gegerbt ist, dass sie wohl auf jedem Andenmarkt hohe Bieterpreise erlangen würde, schleppen wir uns von Welle zu Welle. Einmal ist der Ozean so veralgt, dass es das Surfen nahezu unmöglich macht. Aber auch das hält uns nicht auf. Anderswo zahlt man horrende Preise für so eine Algenkur.

An Tag 5 sind wir alle fast sowas wie Freunde geworden, die Schüler und die Lehrer. Surfen schweißt eben zusammen. Und gemeinsames Muskelkater-Leiden sowieso.

Surfguiding Peniche Hund am StrandSurfguiding Peniche im Nebel

Die Faszination des Surfens, so wird mir an unserem letzten Tag bewusst, besteht vor allem aus einem: dem Meer. Zugegeben, man ist selten allein an den Surfhotspots der Welt. Und doch tummelt man sich mit anderen stundenlang im Wasser, teilt sich die Wellen freundschaftlich wie kleine Kinder Gummibälle.

Wer es schon einmal auf eine Welle geschafft hat, wird sie verstehen, die Faszination des Surfens. Und es wird einen packen und es wird einen immer und immer wieder hinausziehen aufs Meer. Dorthin, wo die Wellen stilvoll heran rollen und voller Grazie im Abendlicht brechen. Dorthin, wo alle anderen Gedanken, alle Probleme und alle Termine plötzlich wie weggezaubert sind. Wo nur eins zählt: das Meer. Das Meer und du. An Momenten, die einem manchmal vorkommen, wie in Zeitlupe. Und der Muskelkater? Welcher Muskelkater? Wir sind Warriors.

Surfguiding Peniche Surf
Surfguiding Peniche: Hier findest du Surfer überall

Du willst selbst einen Surfkurs machen? Surfguiding Peniche in Baleal bietet Kurse für Anfänger bis Intermediate an. Der einwöchige Kurs kostet 250 Euro – ohne Unterkunft.

Selbst Anfänger? Dann sollte man auf jeden Fall sicherstellen, dass man mit einer guten Boardshorts ausgestattet ist, die schnell trocknet, zum Beispiel von Sportscheck. Frostbeulen wie ich sollten sich noch ein Lyra-Shirt besorgen, das man unter den Neo ziehen kann oder in den Pausen einfach schnell darüber.

Und das Schönste: Lissabon ist nur eineinhalb Stunden von Peniche und Baleal entfernt. Dort kann ich jedem das wunderbare Surf Office Lisbon ans Herz legen: ein Coworking Space mitten in der Stand in dem man auch übernachten kann. Super gut gelegen, ganz tolle Atmosphäre und hey, die Strände von Lissabon sind auch nur eine halbe Stunde entfernt.

Von Surfbuiding Peniche zum Surf Office Lissabon

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