10 Dinge, für die Peking eine Reise wert ist

Für viele ist Peking ein Moloch, eine unüberschaubare Metropole, in der es ein Leichtes ist, sich zu verlieren. Und das liegt nicht nur an der dichten Decke aus Smog, unter der die Stadt, wenn man dem internationalen Fernsehen Glauben schenken darf, zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit verschwindet. Aber es gibt sie, die schönen Dinge, für die Peking eine Reise wert ist. Vorhang auf!

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Mir ist Chinas Hauptstadt trotzdem ans Herz gewachsen, mit allen seinen Ecken und Kanten. Oder vielleicht gerade wegen ihnen. Allen Anschein nach auch meiner Schwester, die dort seit Jahren wohnt, und mir schon vier Mal Grund genug war, nach Peking zu reisen.
Nach solchen Trips bleibt weit mehr hängen, als Verbotene Stadt, Sommerpalast und Himmelstempel – Sehenswürdigkeiten, die auf jeden Fall alle drei einen Besuch wert sind. Heute möchte ich euch aber lieber zehn ungewöhnliche Tipps für Peking geben, zehn Unternehmungen, die ihr so vielleicht nicht überall findet.

1. Eselburger

Richtig gelesen! In China essen sie Hunde – und Eselfleisch! Und zwar als Burger oder vielmehr einer Art Teigtasche. Diese sieht nicht nur recht fotogen aus, sondern schmeckt auch noch richtig gut. Am besten passt dazu übrigens eine chinesische Fanta. Auch die schmeckt anders an gewohnt, aber hey, für Altbekanntes bist du schließlich nicht in China, oder?

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2. Pissoir mit Panoramablick

Pinkeln mit Ausblick gibt’s im „Atmosphere“, der Lounge-Bar im 80sten Stock des neuen World Trade Center (China World Summit Wing). Oder besser gesagt auf den Herrentoiletten. Sorry, die anderen hab ich nicht ausprobiert… Der Blick auf die Hochhäuser von SOHO und bis nach Fu Li Cheng und an schönen Tagen sogar bis weit an den Horizont lohnt sich. Auch wenn die Drinks leider entsprechend teuer sind. Besser man kommt also gleich mit voller Blase.

HARD FACTS:
Atmosphere
80/F, China World Summit Wing,
1 Jianguomenwai Dajie
Chaoyang District 朝阳区 建国门外大街1号北京国贸大酒店80层 Beijing

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3. Chinesisch kochen lernen

Kochkurse sind ja stark im Kommen. Klar kannst du Thailändisch, Indisch oder Chinesisch auch von einem der zahlreichen Anbieter in Eimsbüttel, Kreuzberg oder einem hippen Stadtteilen deiner Großstadt erlernen – die echte Erfahrung gibt es aber nur vor Ort und direkt von Einheimischen. Letztes Jahr nahm ich an einem Sichuan Kochkurs eines Anbieters namens The Hutong teil – und zwar in, tadaaa, in den Hutongs, den ursprünglichen Wohnvierteln Beijings, niedlichen Häuserchen in niedlichen, kleinen Gassen.

Was es da außer sauscharfem Essen aus der Sichuan-Region und sauscharfen Chefmessern sonst noch so zu erleben gab, kannst du hier nachlesen: 1000 Chilis, 6 Frauen und ich: Beim Sichuan-Kochkurs in Beijing.

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4. Taxifahren und völlig verlorengehen

Eine der besten Erfahrungen die ich in China (immer und immer wieder) gemacht habe, ist Taxifahren. Es gibt nichts Lustigeres, nichts Verwirrenderes, nichts Er- und zugleich Entmutigenderes als Taxifahren in Peking, wo weit weniger Menschen Englisch sprechen, als beispielsweise in Schanghai und natürlich erst Recht in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hong Kong. Man merkt dabei oft ziemlich schnell, dass man nichts weiß. Weder ob der Taxifahrer einen verstanden hat, noch wo er dich hin bringt, noch wo du dich überhaupt gerade befindest.

Zu was das bei mir geführt hat, kannst du hier nachlesen: Dauerstaus und Sprachbarrieren – vom Taxifahren in Peking.

Und damit dir das am besten nicht passiert, gibt’s hier Die 20 ultimativen Tipps für Taxifahren in Peking und dem Rest Chinas.

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5. Karaoke China Style

Eigentlich ist ja Südkorea die unangefochtene Karaoke-Nation. In China macht das aber genauso Spaß. Vor allem deshalb, weil man sich nicht wie in europäischen Karaokebars vor allen anderen Barbesuchern völlig zum Affen macht, sondern einen geschlossenen Raum für sich und seine Freunde buchen kann.

Dort erwartet einen meist eine riesige Couchlandschaft, ein riesiger Fernseher, eine riesige Auswahl an englischsprachigen Songs (und chinesischen Schmachtfetzen, die an überromantischen 90er Pop & Rock erinnern) und eine riesige Auswahl an Alkoholika. Schließlich muss man sich selbst unter Freunden eine gewisse Portion Mut antrinken, bevor man voller Hingabe Bon Jovi und Haddaway zum Besten gibt.

6. Japanisch essen gehen

Ja, ich weiß, es geht hier um China, nicht um Japan. Was man hier aber trotzdem sehr gut machen kann, ist Japanisch essen gehen. Von Teppanyaki (Japanische Gerichte, die auf einer Stahlplatt direkt vor deinen Augen zubereitet werden) bis hin zu Sushi (japanisches Gericht aus erkaltetem, gesäuertem Reis, ergänzt mit… ach du kennst Sushi…? Ok). Glaub mir, hier ist jegliches japanisches Essen deutlich günstiger, aber genauso frisch und meistens von waschechten Japanern zubereitet. Ein guter Japaner für All-you-can-eat Teppanyaki (!!!) ist zum Beispiel Tairyo gegenüber vom Worker’s Stadium im Chaoyang.

HARD FACTS:
Tairyo
3/F, No. 6 Chinaview Building
East Gongti Road (Osttor)
Chaoyang District
Beijing, China (Beijing Workers‘ Sports Complex)

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7. Heiße Quellen für kalte Tage

Außerhalb Pekings gibt es einige heiße Quellen, die vor allem dann einen Besuch wert sind, wenn der meist sehr eisige (!) Winter einzieht in Chinas Hauptstadt oder wenn man einfach mal wieder raus will aus dem Großstadtdschungel. Die Bäder sind meist traditionell chinesisch und voller Einheimischer, die jeden Touristen bei jeder Bewegung misstrauisch beäugen. Nicht aus Bosheit, sondern einfach, weil sie es nicht gewohnt sind, dass sich Langnasen überhaupt hierher verirren (Ja, so nennen die uns!) Empfehlenswert ist zum Beispiel das Jiuhua Resort (九华山庄) mit dem wundervollen Spitznamen Xiaotangshan (‘little hot soup mountain’), das genau an der Stelle liegt, wo der Qianlong-Kaiser und die Kaiserin-Witwe Cixi einst badeten. Und jetzt bist du mal dran!

HARD FACTS:
U-Bahn-Linie 5 Richtung Norden nach Tiantongyuan Bei und von dort 20-30RMB mit dem Taxi. Oder gleich in Peking einen Fahrer mieten für einen Tag und die Gegend erkunden.
Englische Adresse: Xiaotangshan, Changping district
Chinesische Adresse 昌平区小汤山枯柳树环岛东400米
Öffnungszeiten 8.30am-1.30am
Preise: Tageskarte 188RMB unter Woche (aber nur 3 Stunden am Wochenende)

8. Verborgene Schätze auf dem Antik-Flohmarkt Panjiayuan

Hochwertige chinesische Antiquitäten gibt’s in den teuersten Antiquitätenläden von Hamburg über Paris bis New York. Oder eben in China. Und dort natürlich viel bezahlbarer. Eine riesige Auswahl davon findet man beim Panjiayuan Antique Market, südlich von Fu Li Cheng und dem World Trade Center.
An mehreren tausend Ständen gibt es hier jegliches chinesisches Kunsthandwerk: Produkte aus Jade, Steinstatuen, Perlen, Porzellanvasen oder Schmuck. Aber auch Haushaltsartikel, Altchinesische Schränke, hübsche Kalligraphie, schicke Revolutionsposter oder allerlei Filmartikel von Bruce Lee bis Herr der Ringe.

peking

KLEINER TIPP:
Es ist nicht alles echt, was glänzt. Und nicht alles aus der Ming-Dynastie, was nach einer schönen Vase aussieht. Also lieber etwas genauer hinschauen, wenn es sein muss.

NOCH EIN TIPP:
Wer hier ernsthaft feilschen will, sollte am besten ein paar Zahlen auf Mandarin beherrschen. (Was ich nicht tue.) Oder Zettel und Stift mitbringen. (Was ich leider auch nicht tat.)

HARD FACTS:
Panjiayuan (South East Third Ring Road)
潘家园 West of Panjiayuan Qiao
Chaoyang District 朝阳区 潘家园桥西边 Beijing
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 8:30 – 18.00 Uhr; Sa: 4:30 – 18:00; So: 6:30 – 18.00 Uhr

Panjiayuan_Market_Beijing_China

9. Wangfujing: Scorpione, Spinnen, Schildkröten – und alles am Spieß

Pekings große Shoppingmeile ist eigentlich nicht besonders hervorzuheben, wäre da nicht neben all den riesigen Malls die Donganmen Food Street, ein typisch chinesischer Markt, der sich über mehrere Gassen verstreut und alles bietet, was die chinesische Küche zu bieten hat: von Jiaozi (lecker gefüllte Teigtaschen) über gegrillten Octopus bis hin zu frittiertem Scorpion. Oder wie wär’s mit schön knackiger Vogelspinne am Spieß? Wer schon immer behauptete, vor solchen Spezialitäten nicht zurückzuschrecken, dem lege ich einen Besuch der Donganmen Food Street dringend nahe. Man glaubt gar nicht, wie schnell sich scheinbare kulinarische Vorlieben ändern können.

HARD FACTS:
Wie hinkommen? Einfach der Nase nach. Und das kannst du hier wirklich wörtlich nehmen.
Es gibt verschiedenste Zugänge zum Markt. Der wohl einfachste führt von der Metrostation Wangfujing durch das Tor auf der linken Straßenseite.

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10. CCTV Tower – Verdrehte Welt

Es fühlt sich gerade etwas komisch an, jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, ein hochmodernes Bauwerk hier aufzuführen. Und doch bekomme ich den CCTV-Tower, die Zentrale des Chinesischen Staatsfernsehens, nicht mehr aus dem Kopf, seit ich vor Jahren das erste Mal davor stand, staunend wie ein kleines Kind, das erstmals einen Hochgeschwindigkeitszug mit eigenen Augen betrachtet. Ein silbern-glitzerndes, fast dalíesk verdrehtes Gebäude, so groß, dass es man es schon von weitem sehen kann. So verspiegelt, dass man sich darin schminken könnte. So einzigartig, dass es, nun ja, bisher für diese Bauart wenig Nachmacher gibt. Ich für meinen Teil freue mich jedes Mal, wenn ich im Taxi sitze und das Gebäude irgendwo am Horizont erblicke.

HARD FACTS:
China Central Television Headquarters
Nr. 11
Mitte der westlichen 3RD Ring Road
Haidian District
Beijing

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Gute Reiseliteratur? Meine Empfehlungen für Peking:

Klar, es gibt Alternativen zu dem nigelnagelneuen Lonely Planet für Beijing (2015 Edition). Ich mag zum Beispiel die Bücher aus dem Dumont Verlag wie den Dumont Peking.

Amüsiert und informiert wird man durch die Gebrauchsanweisung für Peking und Shanghai – wie immer recht unterhaltsam bietet das Buch einen tollen Einblick in die Eigenheiten und die Kultur der Chinesen.

Und wer vorhat, sich noch andere Ecken des Landes anzuschauen, der ist mit dem Lonely Planet Reiseführer China bestens bedient. Er ist ein ziemlicher Brocken und ich empfand ihn gerade für China mal wieder als allumfassendes Regelwerk mit dem man sicher nichts falsch macht.

Weitere Beiträge über China:

• Der Lamatempel in Peking oder: Der Tag an dem mich ein Mönch verfluchte

• 1000 Chilis, 6 Frauen und ich: Beim Sichuan-Kochkurs in Beijing

• Verrückte Zocker, riesige Buffets und viel Bling Bling: Willkommen in Macau

• Hongkong von oben – eine Fahrt mit der Tram durch die Stadt der Superlative

• Süchtig nach Hongkong – Ein Geständnis

• Tai O Village in Hongkong: Wie aus der Zeit gefallen

• Dauerstaus und Sprachbarrieren – vom Taxifahren in Beijing

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Der Artikel ist auch in English verfügbar.

  1. Ulrike says:

    Interessanter Blick auf Peking, aber nicht wirklich das Peking, das ich so liebe
    LG
    Ulrike

    Antworten
  2. Nomadic Boys says:

    Donkey Burger?!! Awesome 🙂

    We are aiming to take the Trans Siberian in June and eventually arriving in Beijing early August- Donkey Burger is now on the list of things to look out for! Haha

    Where else in China did you go?

    Antworten
    • Clemens says:

      Hey guys, you should definitely have a try on the donkey burgers! I haven’t travelled China much. Visit the Great Wall when in Beijing! It’s about a two hours drive by bus to Badaling or Mutianyu. I’ll give directions in a post soon. And don’t miss Hong Kong and Shanghai. These are really totally different mega cities and all worth a visit! Look for my Hong Kong posts if you like! After all, the Trans Siberian makes me really jealous!!

      Antworten
  3. Great tips! I can add ten more if you want… But I need to get back to Beijing to try Tarantula, last time I wasn’t game!

    Antworten
  4. Oli says:

    Die Eselsburger oder RouJiaMou sind echt super lecker. Die habe ich in meinen Jahren in China oft gegessen. Wobei ich vor allem von Pidan schwärme, den 100-jährigen Eiern. Ich liebe die.

    Apropos Themalquellen: Es gibt auch ein sehr nettes Spa mit warmem Wasser mehr oder weniger im Stadtzentrum. Es befindet sich gerade gegenüber der Ikea auf der anderen Seite vom Vierten Ring. Ich hab dort um die Ecke gewohnt und war mehrmals drin. Namen habe ich vergessen, aber es ist leicht zu finden.

    Antworten
    • Clemens says:

      Wow, danke für die Tipps Oli! Da muss ich ja bald noch mal hin! Und die 100-jährigen Eier sind natürlich so eine Sache. Da scheiden sich die Geister… Vielleicht muss ich auch einfach noch mal probieren!

      Antworten
  5. Yvonne says:

    Durch klicken hier und da, bin ich gerade auf deinem Blog gelandet.
    Und diesen Artikel werde ich mich speichern. Nicht so sehr wegen den Eselburgern. Sondern ich fliege im kommenden Mai für 16 Tage nach Peking und Hong Kong und bin für jeden Tip dankbar!

    Yvonne

    Antworten
    • Clemens says:

      Hallo Yvonne, Peking & Hongkong… ich werd‘ gleich neidisch. Bald kommt noch ein neuer Post über meine liebsten Sights in Beijing. Und falls du Fragen zu den Destinationen hast, nur her damit, ich helfe gern. (Vielleicht nicht doch mal einen Eselsburger ausprobieren?)

      Antworten
  6. Thomas says:

    Hallo,
    ich musste einmal nachsehen, was für doch in Beijing wichtig ist. Die Geschmäcker sind halt unterschiedlich. Ich mag in Beijing die Mischung aus Alt und Neu. Die Stadt hat sich in den Jahren rasant entwickelt. Taxifahrten kann ich nur bedingt empfehlen. Das liegt aber weniger an den Sprachbarrieren als an den Staus. Als ich zum ersten Mal in Beijing war bestand das U-Bahn-Netz aus 2 Linien und ist jetzt das weltweit größte U-Bahnnetz der Welt. Damit kommt man viel schneller beim Ziel an. Damit lässt sich Alt und Neu einfach entdecken.
    Lg Thomas

    Antworten
    • Clemens says:

      Hey Thomas, ich weiß total, was du meinst. Als ich 2006 zum ersten Mal in Peking war, gab es glaube ich auch nur 2 U-Bahn-Linien. Echt krass, was da in kürzester Zeit entsteht. Bei mir hat das Taxifahren echt ganz gut geklappt nach einer Weile. Das lag aber vor allem daran, dass ich nach einer Weile immer die selben Orte angefahren hab, da konnte ich nach und nach auch die Aussprache wohl ganz gut. Zumindest bin ich später selten irgendwo im Nirgendwo gelandet.

      Antworten
  7. Natanja says:

    Danke für den tollen Artikel, hilft mir sehr bei meinen Reisevorbereitung. Und du hast mich auf eine Idee gebracht: Ein Kochkurs wäre total super! Nur wo? Ich kann keinen Sichuan-Kurs machen…scharf zu essen liegt mir nicht so. Kennst du sonst einen Anbieter?
    Lieben Gruß,
    Natanja

    Antworten
  8. Sven says:

    Hallo Clemens,
    super Blog! Danke für Tips. Ich werde am 10.07.2016 nach Peking (Dong Cheng) fliegen für 1 Monat, hast du irgendwas, worauf ich am besten Achten bzw. was ich am besten machen soll ?

    Vielen Dank!

    Antworten
  9. Matze says:

    Jetzt hab ich Bock! Vor allem darauf, mal ein China so ohne Klischeebrille zu erleben.

    Antworten

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