Dauerstaus und Sprachbarrieren – vom Taxifahren in Beijing

Mit dem Taxi von A nach B zu kommen ist ja eigentlich kinderleicht. Außer in Ländern, deren Sprache man nicht annähernd mächtig ist. Wie in China zum Beispiel. Oder Pakistan. Oder in der Demokratischen Republik Kongo. Aber bleiben wir mal lieber bei China.

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Schon ein Taxi zu bekommen ist in Peking eine kleine Herausforderung: Stell dich mit der flach ausgestreckten rechten Hand an eine gut befahrene Straße. Keine Sorge, du outest dich damit hier nicht als Anhänger eines gewissen Diktators. Bewege nun deine Hand von oben nach unten und dabei leicht auf dich zu, als würdest du jemanden liebevoll herbei winken. Dabei wirst du dir richtig bescheuert vorkommen. Aber du wirst sehen, irgendwann wird ein Wagen anhalten. Und bestenfalls ist es sogar ein Taxi.

Daraufhin steigst du erst mal ins Auto ein – am besten setzt du dich auf die Rückbank und damit möglichst weit weg von der kommenden Rotzerei und den Schimpftriaden des Fahrers.

Dann nennst du ihm ein Ziel, zu dem du gerne kutschiert werden möchtest. Kein Sorge, wenn du nicht fließend Chinesisch sprichst, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder du lässt dir die Adresse von jemandem vorsprechen und murmelst sie auf dem Weg zur Straße zehn Mal laut vor dich hin. Klingt doof? Zweiter Vorschlag: Du schreibst sie dir in Lautschrift auf, dann hast du sie immer parat. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es noch die sicherste Variante: Du rufst jemanden an, der vielleicht ein wenig Mandarin spricht und reichst dein Handy an den Fahrer weiter. Sollen die das doch unter sich ausmachen.
Sagen wir, du bist unterwegs zu Freunden, die in Chaoyang Gongyuan Nan Lu auf dich warten. Das ist eine gleichermaßen belebte wie beliebte Barstraße in Pekings City Center. Wobei in dieser Stadt irgendwie alles City Center ist.

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Der Fahrer wird sich in dem Moment, in dem du verlegen versuchst, Chaoyang Gongyuan Nan Lu so deutlich wie möglich und mit dem richtigen Singsang auszusprechen, aller Wahrscheinlichkeit nach zu dir umdrehen und du wirst zum ersten Mal sein Gesicht sehen. Später wirst du bei weiteren Taxifahrten immer denken, du würdest zufällig immer den gleichen erwischen.

Zunächst einmal: der Fahrer wird dich nicht anlächeln. Er wird deine Zielangabe wiederholen, nur sehr viel schneller und irgendwie gelallt. Das wird dich verwirren, doch bevor du länger darüber nachdenken kannst, hast du vermutlich schon aus dem Affekt sachte zu nicken begonnen. Wird schon stimmen, schließlich kommt er ja von hier und nicht du, richtig?

Daraufhin wird er losfahren. Und das wird der Moment sein, in dem du beginnen wirst, dir selbst innerlich gut zuzureden. Der Moment, in dem du vielleicht deine Freunde anrufen wirst und ihnen mitteilst, dass du unterwegs bist und bald, nein vielleicht irgendwann später, ankommen wirst.

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Und dann? Dann werdet ihr fahren – eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, eine ganze vielleicht. Und nach endlosen Staus, Stop-and-go, U-Turns und sicherlich der ein oder anderen punktewürdigen Fahreinlage wird der Taxifahrer abrupt am Seitenrand stehen bleiben. Er wird das Taximeter ausschalten, sich umdrehen und dir vielleicht etwas harsch ein paar Worte auf Mandarin entgegen brüllen. Nein, das ist nicht aggressiv; die reden wirklich so in Beijing.

Natürlich wirst du einfach den Betrag zahlen, der da auf dem Taximeter steht – schließlich hast du eh keine Ahnung davon, ob er Umwege gefahren ist oder vielleicht das Taxameter falsch läuft. Achja und keine Angst, in China wird keiner arm von einer Stunde Taxifahrt. Ausgenommen vielleicht der ein oder andere Chinese.

Du wirst dem Fahrer dein bestes Xiè Xiè (Mandarin für Danke) schenken und aussteigen. Dann ist der Moment gekommen, in dem du keine Ahnung haben wirst, wo du gerade bist. Der Moment, in dem du irgendwo auf einem Bürgersteig stehst, vor Shops, die du noch nie zuvor gesehen hast, vor Besitzern die dich neugierig mustern und vor greller Neonreklame, die dich blendet. Der Moment, in dem du deine Freunde anrufst und einfach nur hoffst, dass du nicht komplett am Arsch von Peking gelandet bist.

Und dann wirst du plötzlich feststellen, dass du hier, an dieser Adresse, genau richtig bist. Du wirst merken, dass er dich sehr wohl verstanden hat und dass dein Chinesisch gar nicht so schlecht sein kann. Und dir wird klarwerden, dass Taxifahren gar nicht unbedingt so kinderleicht ist, wie du vielleicht immer dachtest.

Warst du mal in Peking? Welche Tipps und Anekdotiques hast du von dort? Schreib einen Kommentar!

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Der Artikel ist auch in English verfügbar.

  1. Oli says:

    Da hattest du aber Glück. Viele Taxifahrer wiederholen das Ziel nämlich nicht und fahren einfach los – mitunter in die falsche Richtung. Das gute an Peking ist aber, dass man sich wirklich super leicht orientieren kann. Praktisch alle Strasse laufen den Himmelsrichtungen entlang.

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    • Clemens says:

      Stimmt, das ist dann wieder ein ganz anderes Problem, wenn der Fahrer einfach losfährt. Trotzdem kann man sich wirklich ganz gut an den Ringroads orientieren, wenn man sich ein bisschen auskennt.

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