Wo sich der Herbst zuhause fühlt: Die Nordseeinsel Sylt

Regen, Wind und Nebelsuppe können einem die schönste Stadt versauen: kaum ist der Herbst da, passt sich das Berliner Wetter farblich den Betonbauten an und Hamburg ist plötzlich auch keine Perle mehr.

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Ganz anders als Sylt. Hier ist es zwar auch kalt und windig – und die karge Landschaft verschwindet in einem Schleier aus Einheitsgrau, dennoch hat man irgendwie den Eindruck, das müsse genau so sein und nicht anders. Auf eine ganz merkwürdige Weise passt die ungemütliche Jahreszeit zu dieser Insel im hohen Norden Deutschlands.

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Sylt im Herbst, das ist ein Meer, das sich mit dem Himmel vereint, bis man den Horizont kaum mehr erkennen kann. Das sind stundenlange Strandspaziergänge, bis der kalte Regen dich erwischt und du es gerade noch schaffst, dich unter einem der Holzhütten der Rettungsschwimmer unterzustellen. Sylt im Herbst, das sind hunderte verlassene Strandkörbe, die stumm dastehen und doch so viel von der Hektik des vergangenen Sommers erzählen. Das sind Gräser und Sträucher, die in ihrer Farbigkeit unterschiedlicher nicht sein können: mal silbern, mal matt, mal fast beige. Und wenn du länger hinsiehst, wirst du allmählich glauben, sie würden andauernd ihre Farbe ändern.

Sylt im Herbst, das sind gemütliche Stunden, die du dick eingepackt auf dem Deich verbringst, mit einem kalten Flens oder einem warmen Kakao in der Hand und den Blick stets aufs Meer gerichtet. Sylt im Herbst, das ist die innere Ruhe, die in einem aufkommt. Und die Gemütlichkeit, sich beim Wandern eine Auszeit nach der anderen zu gönnen und einzukehren in eine Gaststätte, wo man sich so richtig gut gehen lässt – mit allen Delikatessen, die die Nordseeküste zu bieten hat: von frisch gebratenem Fisch, Matjesbrötchen, die einem auf der Zunge zergehen oder einem Räucherlachs, der nur direkt am Meer so gut schmeckt. Und nur mit diesem Ausblick.

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Sylt im Herbst, das sind Massen von Kurgästen, die den Altersdurchschnitt der Insel auf mindestens 65 heben und unter denen sich selbst 40jährige wie Jugendliche vorkommen. Das sind aber auch die rauen Nordfriesen, die dem miesen Wetter trotzen, weil sie es können, weil sie damit aufgewachsen sind. Und weil sie ihm eines unentwegt entgegensetzen: ihren unerschütterlichen Humor.

Sylt im Herbst, das ist ein riesiges Naturschutzgebiet voller Deiche, Dünen und Wiesen. Und darauf prächtige Schafe, die unbeeindruckt vor sich hin grasen, als würde es so etwas wie einen Wetterumschwung gar nicht geben. Schafe, die einem hier irgendwie dicker und plüschiger vorkommen.

Sylt in dieser unbarmherzigen Jahreszeit ist recht farblos, ja geradezu entsättigt. Das Bemerkenswerte aber ist, dass die Tristheit diesem kleinen Fleck Erde unverschämt gut steht.
Sollte der Herbst also demnächst auch deine Stadt wieder für sich vereinnahmen und sein dichtes Gewandt für ein paar Monate über sie legen, fahr doch mal Richtung Norden. Damit wirst du ihm zwar nicht entkommen, dafür fühlt er sich hier aber geradezu heimisch – und lässt dich ausführlich an diesem Gefühl teilhaben.

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Was man auf Sylt übrigens auch prima machen kann: Schafe schubsen. Wie das mir dabei so ergangen ist, kannst du hier nachlesen.

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Der Artikel ist auch in English verfügbar.

  1. Sehr schön. Ich war mal im Februar auf Sylt, und selbst da war die Insel schön. Gefällt mir eh viel besser als sommerliche Menschenmassen. Kein Mensch in Sicht am Ellenbogen… hat was.

    Viele Grüße,
    Lena

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    • Clemens says:

      Hi Lena, da gebe ich dir total recht. War auch noch nie im Sommer dort. Aber auf volle Strände kann ich verzichten. Ich glaube Sylt entfaltet erst dann seinen Charme, wenn die Massen weg sind. Ruhe steht dieser Insel irgendwie sehr gut.

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  2. AnnaMaus says:

    Sylt ist einfach mehr – einfach anders als woanders!

    Der Sand ist nicht weißer aber anders,
    das Wasser ist nicht nasser aber anders,
    der Wind ist nicht stärker aber anders,

    die Luft riecht viel besser als woanders,
    der Fisch schmeckt viel besser als woanders,
    der Himmel ist viel schöner als woanders,
    die Sonne kitzelt viel mehr als woanders,
    der Regen kommt meist schräger als woanders.

    Ich liebe diese Insel,

    was will ich woanders?

    Bis im Sommer, liebe Insel – dann bin ich wieder da!

    AnnaMaus

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  3. wolfgang says:

    Moin Moin,
    sehr schöne Fotos hast Du da auf Sylt gemacht hast. In einem Punkt muss ich aber wiedersprechen. Sylt ist auch im Sommer toll. Denn es gibt genug Plätze, an die man ausweichen kann, wenn man den Trubel nicht mag. Dort ist man dann im Juli/August genauso einsam wie im November und man hat das herrlichste maritime Klima. Und wer mag geht abends feiern oder an eine Strandbar um die traumhaften Sonnenuntergänge anzuschauen. Da könntest Du dann weitere tolle Bilder machen. 🙂

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    • Clemens says:

      Hallo Wolfgang, da hast du vollkommen recht. Ich muss tatsächlich unbedingt nächsten Sommer wieder nach Sylt, um das mal mit eigenen Augen mitzuerleben. Gerade Inseln entfalten ja in jeder Jahreszeit ihren ganz eigenen Charme. Und klar, Fotos gibt’s dann wieder en masse, versprochen!

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