Beats, Bomben, Bauhaus: Israels Hafenmetropole Tel Aviv

In den letzten Jahren wandelte sich Tel Aviv zu einer der angesagtesten Metropolen der Welt. Dabei ist die Stadt am Mittelmeer viel mehr, als einfach nur hip. Sie symbolisiert Freiheit und Pluralismus wie kein anderer Ort in Israel und überrascht den Besucher mit einer unglaublichen Vielalt an Eigenschaften. Tel Aviv ist die perfekte Mischung aus orientalisch und westlich, aus großstädtisch und beschaulich, quirlig und entspannt, heiß und cool. Tel Aviv ist…

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Panorama

…beschaulich:

Wenn man sich das Stadtbild mit dem weitläufigen Strand, den schmalen Gässchen, kleinen Straßencafés und hübschen Boutiquen anschaut, könnte man glatt meinen, man befinde sich irgendwo an der Adria oder in Südfrankreich. Dabei liegt die Hafenstadt mitten im Nahen Osten und nur einen Steinwurf von den Krisengebieten Gaza, Syrien und Ägypten entfernt.

Während im eine Autostunde entfernten Jerusalem eine gewisse Anspannung zu jeder Zeit in der Luft liegt, ist hier an den meisten Tagen kaum etwas davon zu spüren. Im Gegenteil, wenn nicht gerade wieder eine Rakete aus Gaza in den Außenbezirken landet, fühlt es sich fast so an, als würde die stetige Meeresbrise jegliche Kontroversen einfach über die Stadt hinweg pusten.

Diese Rakete kommt aber nie unverhofft und natürlich sollte man für solche Gebiete immer die Website des Auswärtigen Amts im Auge behalten. Dennoch kann man die Frage nach der Sicherheit in Tel Aviv ganz einfach beantworten: Nicht weniger sicher als London, New York oder Barcelona.

Promende

Strand8

…sportlich:

Auf der langen Strandpromenade von der Hafenstadt Jaffa bis zum Yachthafen ist zu jeder Tageszeit was los. Wer sportlich ist, geht joggen, macht Yoga, spielt Volleyball oder Beachtennis, fährt Fahrrad oder Inline Skates. Und das Erstaunliche daran ist: hier scheint jeder sportlich zu sein. Der Strand und die langen Ziehwege verwandeln sich am Tag zu einem einzigen Open-Air-Fitnessclub. Und zwar vom Sonnenaufgang bis in die späten Abendstunden.

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Strand2

…gebräunt:

Irgendwie scheinen alle Tel Aviver einen Fünfstunden-Job zu haben. Oder arbeiten sie alle in der Sonne? Anders kann ich mir nicht erklären, wieso hier alle so unverschämt braun gebrannt sind.

Strand

…belebt:

In Tel Aviv findet das Leben auf der Straße statt: vor den vielen Restaurants und Falafel-Läden, auf öffentlichen Plätzen, auf dem Carmel Market, dem Jaffa Flea Market und und und.

Straße3

…jung:

Die Jugend ist allgegenwärtig. Selten habe ich eine Stadt erlebt, die so voller Jugendlichkeit daherkommt wie Tel Aviv. Überall spielt Musik, überall sitzen Menschen in Straßencafés, vor ihren Boutiquen oder auf Dachterrassen. Und zwar bis zum nächsten Morgen.

Bar

…alt:

Viele denken, Jaffa wäre ein Stadtteil von Tel Aviv. Dabei ist es genau umgekehrt. Tel Aviv war ursprünglich einmal ein Vorort der bereits seit der Antike bestehenden Hafenstadt Jaffa, ein Viertel das heute gerne als „Altstadt“ abgetan wird. Dabei ist dieser Begriff zumindest menschlich gar nicht so falsch. Denn in den alten Straßenzügen, vor den Bars und Antiquitätenläden findet man vor allem die ältere Generation vor, die hier gemeinsam in den Tag hinein lebt.

Jaffa

Jaffa2

…quirlig:

Der Carmel Market entlang der gleichnamigen Straße ist Tel Avivs größter Obst- und Gemüsemarkt und bietet alles Brauchbare und Unnütze von nachgemachter Markenkleidung über Haushaltswaren und Blumen bis hin zu Essbarem aus aller arabischer und jüdischer Herren Länder. Außer an Sabbat. Da ist hier tote Hose.

Markt

…idyllisch:

Hat man das Geschrei und Gewusel hinter sich gelassen, gelangt man ins Jemenitische Viertel – eine Ansammlung von kleinen, bunten Häuserchen mit hübsch drapierten Blumengärten. Hier ist es plötzlich angenehm still. Vereinzelt laufen Hunde über die Straße und alte Frauen gießen in aller Seelen Ruhe ihre Vorgärten. Ein guter Ort zum Verweilen! Am besten in einem der vielen günstigen Restaurants.

Jeminitisches Viertel

…kunstvoll:

Die ganze Stadt ist voller Streetart. Mal wird eine Wand mit glänzend-bunten Fliesen tapeziert. Mal bekommt eine riesige Israel-Flagge Löcher in den Stoff geschnitten, so dass es aussieht, als würde der blaue Davidstern dicke Tränen vergießen. In einigen Gegenden kann man an jeder Ecke etwas Neues entdecken – ganz ohne hippe Vorreiter wie Banksy oder JR, aber dank einer kritisch hinterfragenden jungen Generation Israelis.

Demo1

Streetart

…rebellisch:

Was wohl kaum einen mehr überrascht: Die Menschen hier gehen auch auf die Barrikaden. Und halten nachts Stellung in Zeltlagern nahe der offiziellen Gebäude und Plätze. Das sieht fast ein bisschen aus wie ein eingeschworene Kommune. Was wahrscheinlich gar nicht so weit hergeholt ist.

Demo2

…museumstauglich:

Dank deutscher Bauhaus-Architekten, die in der 30er Jahren vor den Nazis nach Palästina flüchteten, könnte man die Gegend rund um den Rothschild Boulevard und die Dizengoff Street so wie sie ist komplett in ein Architekturmuseum stellen. Mit tausenden Bauhaus-Häuser hat es die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe geschafft. Damit sie das auch bleibt, sollte die Stadt aber manche Gebäude besser früher als später renovieren.

Villa

…kulinarisch:

In der ganzen Stadt und vor allem natürlich im arabischen Viertel gibt es jede Menge kleiner Obststände, die frisch gepressten Granatapfel-, Zitronen- oder Orangensaft verkaufen und kleine Bäckereien mit frischem, klebrig süßem Baklava und arabischem Minztee. Nicht fehlen dürfen natürlich auch die Shisha-Bars am Strand.

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…pittoresk:

Das winzige Gründungsviertel Neve Tzedek ist ein ganz besonderes Idyll. Sandfarbene oder bunt gestrichene Häuser, Pflanzen die ganze Balkone überwuchern, Katzen die auf Baldachinen in der Sonne sitzen und offene Fensterläden, aus denen es nach frischem Kaffee duftet. Kaum eine Gegend lädt so sehr zum Spazieren ein, wie das älteste jüdische Viertel – auch wenn es so klein ist, dass man dabei im Kreis laufen muss.

Straße

…tagträumerisch:

Am Strand liegen, auf einer Dachterrasse sitzen, durch Jaffa schlendern – das Tollste an Tel Aviv ist, dass man den Tag besten Gewissens vertrödeln kann. Schließlich befinden sich die die meisten Sehenswürdigkeiten nicht hier, sondern im nahen Jerusalem. Und darüber gibt’s noch viel mehr zu erzählen. Dazu bald mehr auf Anekdotique.

Interessiert dich die Region? Dann schau dir mal meinen Bericht über ein Nachbarland an: Jordanien – die Wundertüte der Arabischen Welt.

Warst du mal in Israel? Welche Tipps und Anekdotiques hast du von dort? Schreib einen Kommentar!

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Der Artikel ist auch in English verfügbar.

  1. Adam says:

    Nice write-up which captures the diversity of Tel Aviv, but there aren’t really bombs dropping on the suburbs. Maybe in the past 10 years there have been a few flare-ups but it’s not as dramatic as you make it out to be.

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    • Clemens says:

      Well, I can remember several bombs from gaza being in the news in the past years, but yeah that’s not the point. I didn’t want to let it sound like Tel Aviv would be in a hail of bombs all the time.

      Antworten

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