Südtirol Unplugged: Ein Digital Detox Selbstversuch auf 2.040 Metern Höhe | Teil 4

Digital Detox in Südtirol: Der Langkofel am Horizont

Abkapseln, abschalten, einfach mal offline gehen. Ich hab es ausprobiert, das Digitale Entgiften. An einem Ort, der dafür geeigneter nicht sein könnte: den Dolomiten in Südtirol. Ein Digital Detox Selbstversuch auf 2.040 Metern Höhe, Teil 4.

Tag 5 | 05.10.14: Abreise und der letzte Blick zurück

Zur Abreise überkommt mich ein merkwürdiges Gefühl. Ich habe mich so an die Berge gewöhnt, dass mir der morgendliche Blick aus dem Fenster fehlen wird. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und mache mich auf zur Col Raiser Gondelbahn.

Doch zuvor bekomme ich von Manuela und Bruno Perathoner noch ein Buch geschenkt. Es trägt den Titel „Mein Leben auf der Hütte“ und ist von niemand geringerem geschrieben als von Resi Perathoner, der jüngst verstorbenen Hausherrin der Regensburgerhütte. Eigentlich will ich es kaufen, aber sie schenken es mir in einer Geste von völliger Selbstverständlichkeit und überreichen es mit einer herzallerliebsten Widmung darin. Der Gedanke, ein ganzes Leben dem Berg zu widmen, scheint mir nun gar nicht mehr so abwegig.

Digital Detox in Südtirol: alte Skier an einer Hütte

Digital Detox in Südtirol: Handwerkskunst aus Gröden

Die Tage auf der Schutzhütte in Südtirol sind vorbei. Und die ersten Schritte nach Hause führen mal wieder über Stock und Stein. Fast 1000 Kilometer liegen wieder vor mir. Auf dem Weg zurück zur Col Raiser Bergstation fällt mir mein Smartphone wieder ein. Wo hab ich es eigentlich? Hab ich es vorhin überhaupt eingepackt? Nein, ich schaue nicht nach. Ich werde es schon irgendwo haben. Und wenn nicht, ist es ja jetzt auch nicht mehr so schlimm.

Was hat sie mir also gebracht, die selbstgewählte Zeit der Entschleunigung in Südtirol? Zunächst einmal einen ruhigen Puls, viele herzliche Begegnungen und jede Menge herzhaftes Essen.

Der Verzicht auf digitale Verbindungen zur Außenwelt aber, hat mir ein stückweit die Augen geöffnet. Dafür, dass man leben und miteinander kommunizieren kann ohne sich zum Sklaven eines Smartphones, Tablets und Computers zu machen. Dafür, dass das eigene Leben nicht aus den Updates aus den Leben der anderen besteht. Dafür, dass ein gutes Gespräch länger nachwirkt als jeder Chat, dass ehrliche Worte von Angesicht zu Angesicht wohltuender sind, als jedes Like auf Facebook. Dafür, dass man mal abschalten muss, um richtig anzukommen. Dafür, dass Gröden in Südtirol für meine digitale Entgiftung der wohl geeignetste Ort auf der Welt war.

Digital Detox in Südtirol: Berge im Abendrot

Auf meinem Weg entlang der Serpentinen hinaus aus dem Tal halte ich kurz an einer abgelegen Parkbucht und blicke ein letztes Mal zurück zum Langkofel. Wie er da steht, rot glühend und in sich gekehrt, aller Zeit und Wetter trotzend. Ich komm’ wieder, sag ich wie zu mir selbst und das Handy, das lass ich nächstes Mal gleich ganz zu Hause.

Hinweis: Alle hier verwendeten Fotos wurden mit analogen Kameras aufgenommen, entweder einer Diana F+ Lomography-Kamera oder Paradies Einwegkameras ISO 400 von dm-drogerie markt.

Mein Digital Detox Selbstversuch in Südtirol entstand im Zuge meiner Nominierung für den Südtiroler Medienpreis 2014. Mein Dank geht an das Südtirol Marketing für die Einladung und an die Familie Perathoner von der Regensburgerhütte für die warme Bleibe. Alle Meinungen, Übertreibungen und schlechten Witze sind meine eigenen.

  1. Linda says:

    So, alle 4 Berichte gelesen 🙂
    Ich war mal eine Woche in einem Kloster zum Abschalten. Daran habe ich mich gerade erinnert, als ich deinen Text gelesen habe. Das Zimmer war genauso komfortabel, aber etwas größer.
    So eine dicke Bettdecke habe ich allerdings zum letzten Mal beim meiner Oma vor 30 Jahren gesehen 😉 Aber sehr kuschelig.

    Viele Grüße
    Linda

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    • Clemens says:

      Hahah, also die Daunendecke hat mich schon etwas vom Erfrieren gerettet. Es wird im Oktober da oben auf dem Berg schon echt recht kalt nachts. In einem Kloster stell ich mir das aber auch super vor. Da ist mein Smartphone wahrscheinlich auch nicht unbedingt gern gesehen, oder? 😉 Auch ein guter Plan fürs nächste Mal.

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  2. Kathrin Blum says:

    Meine ganze Kindheit musste ich wandern, wandern, wander – bis mir das Wandern bei den Ohren rauskam. So langsam wird’s aber wieder was… Es ist schön so über seine Heimat zu lesen, vor allem wenn man seit 2 1/2 Jahren in Hamburg lebt!! 🙂

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    • Clemens says:

      Ach du bist auch aus Hamburg, Kathrin? Dann hast du aus dem Wandern gleich ein Auswandern gemacht, verstehe 😉 Mir hat’s richtig gut gefallen und ich könnte dieses Jahr gleich wieder hin!

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      • Kathrin Blum says:

        Ok, aber dann könntest du dir ruhig mal ein paar andere Ecken anschauen, wie z.B. im Passeiertal die Pfandleralm (Andreas Hofer), und die GOMPN-Alm (nette Berg-Festivals, ohne Folklore), das Ultental (Urlerchen + sinstruct waldfestival), das Vinschgau mit seiner Ortlergruppe & dem Schnalstal (auch cool weil null überlaufen das Martelltal & Münstertal) & meinem Lieblingstal, dem Pustertal & Ahrental, aber die Gegend kennst du eh schon mehr. Ha, ha muss jetzt aufhören, sonst bekomme ich noch Heimweh… aber besser erst mal Fernweh: Sonntag geht’s nach Mexico – endlich!! 🙂

        könnte dir echt taugen, SCHNALS:

        https://www.youtube.com/watch?v=wZqYbJM3JJc
        http://www.goldenerose.it/de/schutzhuette-schoene-aussicht

        lgk

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