Camping am Lake Naivasha in Kenia – oder: Ein kurzer Moment in Handschellen

Camping in Kenia ist nicht ganz so einfach – wie zum Beispiel damals am Lake Naivasha. Aber man lernt ein paar sehr wichtige Dinge fürs Leben: ein 1 Meter hoher elektrischer Zaun interessiert keinen Hippo und die kenianische „Polizei“ ist nicht immer „Hakuna matata“. Eine Anekdotique aus dem wilden Afrika.

Giraffen im Nationalpark nahe des Lake Naivasha in Kenia

Zur Story: Vor einigen Jahren reiste ich mit meinem damaligen Freund für knappe fünf Wochen ins wunderschöne Kenia. Meine Begleitung verbrachte seine Kindheit und Jugend dort. Somit waren wir nur „halbe“ Touristen, aber immer noch Mzungus („Weißer“ in Swahili). Mein Ex-Freund, ein „Auswanderer-Kind“, kannte das Land und die Leute und war somit die perfekte Eintrittskarte ins wilde Kenia.

Rift Valley auf dem Weg von Nairobi nach Naivasha in Kenia
Das Rift Valley auf dem Weg von Nairobi nach Nakuru – die Weiten Kenias sind wirklich weit

Wir verbrachten einige Tage in Nairobi, bevor wir am Lake Naivasha Angeln und Campen wollten. Danach sollte es weiter Richtung Mombasa gehen: Strand, Seefood, Hochseeangeln, alte Freunde von früher treffen. Weitere Ziele unsere Reise war der Amboseli Nationalpark am Fuße des Kilimandscharo und unter anderem auch ein Elefantensanctury für Elefantenwaisen. Aber als erstes sollte es für drei Tage Richtung Nakuru gehen.

Der Lake Naivasha in Kenia
Für die Fischermänner ist die Wasserhyazinte eine Plage – man kommt kaum direkt vom Ufer ins Wasser

Unser Plan: Zelten und Fischen am Lake Naivasha. Der See liegt im Distrik Nakuru in der Provinz Rift Valley, etwa 70 km nordwestlich der Hauptstadt Nairobi. Wir nahmen uns für diese Strecke ein Matatu – einen Kleinbus, in dem normalerweise 8 Leute Platz finden, wir saßen gute zwei Stunden teilweise zu fünfzehnt in dieser Klapperkarre – und fuhren den Rest mit einem Taxi.

Campingplatz am Lake Naivasha
Wir hatten alles was wir brauchten – ein Zelt, eine Feuerstelle und ganz viel Tusker Bier 

Der Campingplatz Fishermans Camp, den wir für die nächsten drei Tage unser Zuhause nannten, liegt idyllisch direkt am Lake Naivasha im Schatten hoher, stacheliger Akazien, Avocadobäumen und prächtigen Bougainvillea. Allesamt von Affen bevölkert, die einen das Leben schonmal schwer machen können. Genauso wie die Flusspferde, die gerne zur Dämmerung aus dem Schilf kommen, um sich auf den grünen Wiesen, auf denen die Zelte stehen, satt zu fressen.

Die alleinige lächerliche Vorkehrung des Campingplatzes zum Schutz vor diesen teilweise aggressiven und damit hochgefährlichen Tieren war ein 100 cm hoher Elektrozaun. Die Schulterhöhe eines ausgewachsenen Tieres reicht schonmal an die 165 cm. Und ein wütendes, dickes Hippo ist ein schnelles Hippo, das sich schonmal den juckenden Hintern an solchen Zäunen reibt. Somit wurde uns der tiefere Sinn diese Installation nicht so ganz klar. Aber vielleicht diente es ja eher dem Schutz der Hippos vor uns Touristen …?

Lächerlicher Zaun am Lake Naivasha in Kenia
Ob Nilpferde wohl die Uhr lesen können?

Tanzende Frauen am Lake Naivasha in Kenia
Kein Ort eignet sich wohl besser für einen Musikvideodreh als der Lake Naivasha. Fanden wir auch. 

Auch wenn man auf Warnschildern auf dem Campingplatz vom ein oder anderen tödlichen Zwischenfall  lesen konnte, blieben wir Gott sei Dank von Hippo-Attacken verschont. Trotz der drohenden Gefahr durch die Nilpferde ist der Lake Naivasha ein idyllisches Fleckchen Erde. Vor allem für alle, die eins im Sinn haben: ANGELN!

Landkarte von Kenia mit Lake Naivasha
Unser Stationen in 5 Wochen Kenia in Reihenfolge – Nairobi, Lake Naivasha, Mombasa, Amboseli National Park

Und genau das was unser Plan. Mein damaliger Freund, ausgestattet mit deutschem Angelschein, Mörder-Equipment und jeder Menge Begeisterung, organisierte uns einen „Ride“ zu einem Fischerdorf, dessen Bewohner noch ganz traditionell mit Handleine und Nussschale auf den Lake Naivasha fahren, um leckeren Fisch, wie den dort heimischen Schwarzbarsch, an Land zu ziehen – natürlich für den kleinen Markt im Dorf und für die Familie. Einen Angelschein brauchte man dort nicht, wohl aber eine fürs Gewässer zugelassene Genehmigung. Mit 15 Jahren Kenia auf dem Buckel und nur Fisch im Kopf schätze mein Freund die Situation ohne Genehmigung als annehmbar ein und wir machten uns auf den Weg in besagtes Dorf. Ihr wisst schon, was jetzt kommt …

Flamingos am Lake Nakuru in Kenia
Flamingos, Flamingos, Flamingos … dies ist nur ein Ausschnitt der Vogelmassen am Lake Nakuru

Die letzten Brocken Swahili ausgepackt, ein bisschen rumgeschäkert und schon fanden wir uns auf einem Bötchen mitten auf dem Lake Naivasha wieder. Leichte Übelkeit verursacht von praller Sonne (es war 9 Uhr vormittags!), stinkendem Motoröl und schwankender Boots-Konstruktion ließen mich leicht schwächeln und der Spaß an der Sache war mir noch nicht so ganz klar.

Als dann ein Schwarzbarsch, der für den Tag einzige Angel-Erfolg, von ordentlichen 2,7 Kilo an meiner Handleine biss, war jeder Sonnenbrand und Schwerölgeruch vergessen und wir freuten uns wie Bolle über unseren Fang. Zurück im Dorf wurde dann traditionell der Fisch gewogen, dokumentiert und wir wie Jagdhelden gefeiert.

Fischer auf dem Lake Naivasha in Kenia
Unser Bootsführer auf dem Lake Naivasha

Als wir quasi gezwungen wurden, den Fisch zu behalten, und nicht – wie eigentlich geplant – dem Dorf als Geschenk zu überlassen, wurde unsere kleine Dorfparty abrupt beendet: und zwar durch den Blick auf den Pick-up, der den Dorfhang zum See runter donnerte und uns ahnen ließ, dass das nicht unser Taxi sein konnte.

Kurz für Kenia-Anfänger: Neben der Polizei gibt es in vielen Teilen Afrikas „private“ Sicherheitsfirmen, die für „Recht und Ordnung“ sorgen sollen. Ich stelle das mal in Anführungszeichen, weil sich Kenia auf der derzeitigen Korruptionsliste deutlich im unteren Segment bewegt.

Die Sicherheitsbeauftragten, die aus dem Pick-up stiegen, fragten sofort nach unserem Berechtigungsschein zum Angeln; logisch, wir hatten ja einen Fisch im Gepäck und die Angeln im Rucksack. Nach einigen kläglichen Erklärungsversuchen unsererseits, hatte ich schon Handschellen dran, Pipi in den Augen und sah mich schon in einer dunklen, kenianischen Zelle wieder. Als weiße Frau! Die größten vorurteilbelasteten Ängste kamen in mir hoch, als sich plötzlich auch die Dorfbewohner in die Diskussion einmischten, versuchten uns zu verteidigen und die Auseinandersetzung auf Augenhöhe und auf Swahili zu führen. Unser Glück! Nach der Aufforderung des Dorfältesten, mir die Handschellen wieder abzunehmen und einen Wortwechsel später, befanden sich meine Hände wieder in Freiheit.

Wir schnappten uns im Durcheinander der Situation unsere Angeln vom Lader und machten uns ganz klammheimlich vom Acker, während die Einheimischen wild weiter diskutierten. Die Sicherheitsmänner hatten anscheinend das Interesse an uns verloren und sich auf das Fischereibusiness des Dorfes, ihr anscheinend eigentliches Anliegen des Besuches, konzentriert. Halleluja! Ich hatte selten so die Hosen voll. Die 40 Gehminuten in praller Sonne zu unserem Camp kamen uns ewig vor! Und erst als wir den Fisch vor unserem Zelt deponierten und uns ein Tusker Bier aufmachten, konnten wir wieder durchatmen und realisieren, dass wir echt Schwein hatten.

Angeln am Lake Naivasha in Kenia
Eine Delikatesse – der Schwarzbarsch

Im Nachhinein beruhigte uns die Erkenntnis, dass wir wohl eh nicht ins Gefängnis gemusst hätten, denn in Kenia regelt man solche „Probleme“ bekanntlich entweder mit Geld oder durch möglichst gute Connections zu hohen Tieren. Oder man hat eben einfach nur Glück – so wie wir.

Schwarzer Barsch aus dem Lake Naivasha in Kenia
Gegrillt auf offenem Feuer mit einem Bier und Sonnebrand auf der Nase – es gibt nichts Besseres

Trotz dieser und vieler anderer klassischer „Afrika-Europa-Unterschiede“ hatten wir unglaubliche 30 Tage mit Mordsspaß beim Hochseeangeln, mit herrlichen Landschaften und dem besten Sea Food meines Lebens. Kenia, du bist eine wahre Schönheit und dein Volk war trotz grimmiger, korrupter Ausnahmen Balsam für meine hektischen, gestressten Kopf.

Für einen etwas besseren Eindruck hab euch noch ein paar mehr Fotos von der Küste und der 3-tägigen Safari reingepackt. Viel Spaß beim Scrollen.

Diani Beach in Kenia
Diani Beach bei Mombasa: Reiten im Morgenlicht – Kitsch pur 

Diani Beach in Kenia südlich von Mombasa
Diani Beach: Unser morgendlicher Ausblick auf den Strand – weißer und feiner gehts nur auf den Malediven o.Ä. 

Der Zug von Nairobi nach Mombasa
Der Nachtzug von Nairobi nach Mombasa – UNBEDINGT AUSPROBIEREN

Weiße Nashörner im Nakuru Nationalpark
Nur noch sehr selten auf dieser Erde – zwei weiße Nashörner in trauter Zweisamkeit

Safari am Lake Nakuru in Kenia
Das übliche Safari Gefährt – japanischer Kleinbus mit Geschwindigkeitssperre auf 80 km/h
 

Brandung am Diani Beach in Kenia
DER Surferspot am südlichen Ende von Diani Beach  

Supersuper Reisekrankenversicherung gibt’s übrigens bei der Hansemerkur Versicherung. Yeah!

Warst du schonmal am Lake Naivasha in Kenia? Dann nix wie in die Kommentare damit!

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  1. Ja Kenia ist wunderschön, nur die Polizei braucht man hier nicht. Selbst nach 5 Jahren in Kenia macht man um diese immer einen grossen Bogen.
    Der Lake Naivasha wird leider bei den meisten Safaris links liegengelassen, obwohl es da in der Nähe so viel zu sehen gibt .
    Den Mount Longonot, den Menegai Krater, Crescent Island, Hells Gate, Lake Nakuru, Lake Bogoria um nur ein paar zu nennen, da kann man sich einige Zeit aufhalten und einen richtig spannenden Urlaub erleben.

    Antworten
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